Gemeinsam gegen den Lungenkrebs: Zentrum in Niedersachsen mit Netzwerk in fünf Bundesländern gegründet

Gemeinsam gegen den Lungenkrebs: Erstes Zentrum für CT-Früherkennung in Niedersachsen mit Netzwerk in fünf Bundesländern gegründet

Evangelisches Krankenhaus Göttingen-Weende (EKW) als Teil des Lungentumorzentrum Universität Göttingen (LTZ) etabliert erstes Zentrum für qualitätsgesicherte Lungenkrebs-Früherkennung in Niedersachsen

30.07.2026
Am Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende ist das überregionale Netzwerk „Lungenkrebs CTScreening Mitteldeutschland“ gegründet worden. Mehr als 100 klinische Ärzte – Pneumologen, Internisten und Allgemeinmediziner – aus Kliniken, Medizinischen Versorgungszentren und Praxisstandorten in Niedersachsen, Hessen, Thüringen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt arbeiten in dem neuen Netzwerk zusammen. Das CTScreening wird in der Institutsambulanz für Lungenkrebs Früherkennung der Abteilung Radiologie des Ev. Krankenhauses Göttingen-Weende durchgeführt.

Ziel des Netzwerks ist die frühe Diagnose heilbarer Stadien von Lungenkrebs bei Menschen mit Zigarettenkonsumbedingt erhöhtem Erkrankungsrisiko. Lungenkrebs zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Bei Männern ist er die zweithäufigste, bei Frauen die dritthäufigste Tumorerkrankung. Das Problem: Die Erkrankung verursacht häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium Beschwerden. Wird Lungenkrebs erst dann in den fortgeschrittenen Stadien III und IV diagnostiziert, sind die Heilungschancen in der Regel deutlich eingeschränkt. Moderne Therapieformen haben die Behandlungsmöglichkeiten zwar bei bestimmten Patienten in diesen Stadien signifikant verbessert, eine frühzeitige Diagnose im Stadium I bleibt jedoch der entscheidende Faktor für eine erfolgreiche Therapie mit Heilungschancen.
Vor diesem Hintergrund hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) im Juni 2025 die Lungenkrebsfrüherkennung mittels Niedrigdosis-Computertomografie (Low-Dose-CT, LDCT) als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung beschlossen.

Anspruch auf die Untersuchung haben Menschen der sogenannten Hochrisikogruppe, d.h. im Alter von 50 bis 75 Jahren, die aktuell seit mindestens 25 Jahren rauchen bzw. vor weniger als 10 Jahren mit dem Rauchen aufgehört haben. Gleichzeitig sind mindestens 15 sogenannte „Packungsjahre“ erforderlich (Anzahl der Zigarettenpackungen pro Tag multipliziert mit den „Raucherjahren“). Die Kosten der Untersuchung werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
Das Ev. Krankenhaus Göttingen-Weende ist derzeit das erste und bislang einzige Zentrum in Niedersachsen, das diese qualitätsgesicherte Lungenkrebs-Früherkennung in vollem Umfang anbietet, also nach der CT-Untersuchung bei allen Teilnehmern abschließende Befunde erstellen darf (Erst- und Zweitbefundungen) und als Mitglied des zertifizierten Lungentumorzentrums Universität Göttingen (LTZ) zusammen mit der Universitätsmedizin Göttingen die interdisziplinäre Entscheidung für alle weitere Diagnostik fällt und auf Referenzniveau durchführt.

Prof. Dr. Christoph Engelke,
Initiator des Netzwerks „Lungenkrebs
CT-Screening Mitteldeutschland“ steht
vor einem Multislice CT-Gerät im Ev.
Krankenhaus Göttingen-Weende.
Foto: EKW
Prof. Dr. Christoph Engelke, Initiator des Netzwerks „Lungenkrebs CT-Screening Mitteldeutschland“ steht vor einem Multislice CT-Gerät im Ev. Krankenhaus Göttingen-Weende.
Foto: EKW


„Nach dem Auswahlgespräch und der Voruntersuchung durch unsere zuweisenden Experten des Netzwerks in fünf Bundesländern erhalten die Teilnehmer in unserer Institutsambulanz am Weender Krankenhaus eine Ultra-Low-Dose Computertomografie mit hochdetaillierter Darstellung der Lunge“, erklärt der Initiator des Netzwerks, Prof. Dr. Christoph Engelke, zugleich Chefarzt der Abteilung Diagnostische und Interventionelle Radiologie am EKW. „Die Untersuchung wird ohne Kontrastmittel durchgeführt und dauert nur wenige Minuten.“
Prof. Dr. Christoph Engelke ist international ausgewiesener Experte für Thoraxbildgebung und CT-Frühdiagnostik von Lungenkrebs. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren wissenschaftlich mit CT-Detektion von Lungenrundherden und hat in hochrangigen internationalen Fachzeitschriften publiziert. „Ein wesentlicher Vorteil unserer durch künstliche Intelligenz unterstützten Ultra-Low-Dose-CT ist die äußerst geringe Strahlenbelastung. Sie entspricht durchschnittlich der Röntgendosis von zwei Röntgenaufnahmen des Brustkorbs und liegt damit deutlich unter den gesetzlichen Anforderungen für das CT-Screening“, so Engelke. Die Lungen werden hoch aufgelöst dreidimensional erfasst, Herdbefunde als Volumen quantifiziert.
„Die Vorteile der Niedrigdosis-Computertomografie sind in zahlreichen wissenschaftlichen Studien belegt“, sagt Prof. Dr. Engelke. „Sie ermöglicht die Erkennung kleinster Tumorherde im Millimeter-Bereich“.

Nach Abschluss der Untersuchung erhalten die Teilnehmer ihren Befund und werden bei Bedarf ausführlich beraten. Zeigen sich Hinweise auf einen möglichen Lungentumor, erfolgt ohne Zeitverlust die Vorstellung in der interdisziplinären Tumorkonferenz des Lungentumorzentrum Universität Göttingen am Partnerstandort Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Dort beraten Radiologen, Pneumologen, Thoraxchirurgen, Onkologen, Strahlentherapeuten, Pathologen und Nuklearmediziner gemeinsam über das weitere Vorgehen, sodass Diagnostik und anschließende Therapie individualisiert mit höchster Effizienz durchgeführt werden können.
Jährliche Folgeuntersuchung und Rauchentwöhnung Teilnehmer des Programms werden dauerhaft in das strukturierte Früherkennungsprogramm aufgenommen und jährlich erneut untersucht. Die Folgetermine werden direkt nach jeder Untersuchung vereinbart, sodass eine kontinuierliche Betreuung am Ort gewährleistet ist. Zum Konzept des Netzwerks gehört außerdem die Unterstützung bei der Rauchentwöhnung. Denn auch wenn eine Früherkennung Leben retten kann, bleibt der Verzicht auf das Rauchen die wirksamste Maßnahme zur Senkung des persönlichen Lungenkrebsrisikos.

Teilnehmende Raucher erhalten deshalb Informationen für Beratungsangebote, die sie bei der Rauchentwöhnung unterstützen (beispielsweise in der Raucherentwöhnungsambulanz der UMG), sodass das Erkrankungsrisiko nach einigen Jahren absinkt. Bis zu 40 Untersuchungen pro Tag möglich Großen Wert legen die Verantwortlichen auf die hohe Qualität der Diagnostik. Das Institut am EKW ist nach den Vorgaben der Lungenkrebs-Früherkennungs-Verordnung 2024 durch das Gewerbeaufsichtsamt und das Land Niedersachsen genehmigt und besitzt die volle Ermächtigung durch die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen. „Alle beteiligten Radiologen verfügen über den Q2-Zertifikatsstatus der Deutschen Röntgengesellschaft und erfüllen die geforderten fachlichen Qualitätsanforderungen. Wir planen kurzfristig eine Tätigkeit von 10 Radiologen mit Einbeziehung mehrerer lokal ansässiger Radiologie-Facharztpraxen und werden so in einem ersten Schritt bis 20, nach einem Jahr bereits 40 Untersuchungen pro Tag durchführen können“, sagt Prof. Dr. Engelke.

„Mit dem Netzwerk schaffen wir erstmals eine flächendeckende, qualitätsgesicherte überregionale Versorgung für die Lungenkrebsfrüherkennung in Mitteldeutschland“, betont der Chefarzt. „Unser Ziel ist es, einen großen Anteil der Menschen aus der Hochrisikogruppe zu erreichen und regelmäßig zu untersuchen. Je früher ein Lungentumor entdeckt wird, desto größer sind die Chancen auf eine vollständige Heilung: Je mehr frühe Tumoren im Stadium I flächendeckend von uns diagnostiziert werden, desto weniger fortgeschrittene Erkrankungen in den prognostisch schlechten Stadien III und IV werden mittelfristig ´übrigbleiben`. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Rettung von Menschenleben, zur Verbesserung der Lebensqualität unserer Patienten und auch zur Entlastung des Gesundheitssystems“, sagt Prof. Dr. Engelke.